in

Welche Jobs durch KI gefährdet sind

KI ersetzt keine Jobs, sondern einzelne Aufgaben. Foto: © cassis / stock adobe

KI ist in aller Munde und macht vielen Beschäftigten Angst vor dem Verlust ihres Arbeitsplatzes. Wie sich KI auf den Arbeitsmarkt auswirkt, in welchem Ausmaß die Unternehmen Künstliche Intelligenz nutzen und welche Jobs durch KI gefährdet sind, untersuchte das Anthropic-Forschungsteam um Peter McCrory und Maxim Massenkoff mithilfe eines neuen Messverfahrens.

Neue Erkenntnisse: Die Anthropic-Studie 2026

Schon wieder eine neue Studie? Es ist doch bekannt, dass die Künstliche Intelligenz Jobs vernichtet, aber auch neue schafft. Doch die Anthropic-Studie 2026 unterscheidet sich im Messverfahren und in den Ergebnissen grundlegend von den bisherigen Studien – beispielsweise von der Microsoft-Studie 2025.

Die Microsoft-Studie belegt, wozu die Künstliche Intelligenz imstande ist. Mit diesen Daten berechneten Wissenschaftler, in welchem Ausmaß Jobs in naher Zukunft wegfallen. Berichten zufolge sollten neue Arbeitsplätze entstehen, doch die Zukunftsangst blieb.

Dem Anthropic-Forschungsteam waren die Ergebnisse zu ungenau. Deshalb suchte das Team um Peter McCrory und Maxim Massenkoff nach neuen Messverfahren, die aussagekräftigere Ergebnisse liefern. Die Informationen holten sie aus verschiedenen Quellen. Dazu gehören die O*-NET-Datenbank, der Anthropic Economic Index und die Expositionsschätzungen nach Eloundou et al. von 2023.

Hinweis: Die O*-nET-Datenbank enthält über 800 US-Berufsprofile mit detaillierten Aufgabenbeschreibungen. Der Anthropic Economic Index liefert Echtzeit-Nutzungsdaten aus realen Claude-Interaktionen in beruflichen Kontexten. Claude ist eine KI-Assistenzplattform von Anthropic.

Jobkiller KI: Für welche Berufe bedeutet die Künstliche Intelligenz über kurz oder lang das Aus?

Nach den Erkenntnissen der Anthropic-Studie übernimmt die Künstliche Intelligenz in Berufen, deren Schwerpunkt auf computergestützter, textbasierter oder administrativer Arbeit liegt, die Aufgaben gut ausgebildeter Menschen. Besonders gefährdet für einen Arbeitsplatzverlust sind Programmierer, denn 75 Prozent der Arbeiten kann die Künstliche Intelligenz übernehmen. Auch Dateneingabe-Spezialisten fürchten um ihre Jobs, weil die KI in der Lage ist, 63 Prozent der Aufgaben zu erledigen. Ebenso groß ist die Gefahr bei Buchhaltern und Revisoren. Sogar Kundendienstmitarbeiter machen sich Gedanken um ihren Job. Denn die KI kann fünfzig Prozent der Arbeiten in kürzerer Zeit ausführen.

Siehe auch  Deepfake – die gefährlichste Täuschung des digitalen Zeitalters

Ebenso müssen Dolmetscher und Übersetzer, Texter, Historiker, Schriftsteller sowie Radio-DJs um ihre berufliche Zukunft fürchten. Gefährdet sind zudem Börsenangestellte und Politikwissenschaftler. Voraussichtliche Opfer der Automatisierung durch Künstliche Intelligenz werden außerdem Fahrkartenverkäufer, CNC-Programmierer und Telemarketer sein.

Manch einer denkt, dass die Studien hierzulande nicht zutreffen, weil sie auf US-amerikanischen Daten beruhen. Doch die Grundmuster lassen sich auf Deutschland und die anderen DACH-Staaten übertragen. Die Auswirkungen sind hierzulande noch mild, weil der Kündigungsschutz und Tarifverträge kurzfristige Effekte verhindern. Doch schon jetzt ist spürbar, dass Wissensjobs nach alters- oder krankheitsbedingtem Ausscheiden der bisherigen Mitarbeiter nicht durch junge Berufseinsteiger im Alter von 22 bis 25 Jahren ersetzt werden. Die Jobs fallen still und leise nach und nach weg. Deshalb sind Massenentlassungen bisher nicht an der Tagesordnung.

Tipp: Kennst Du Dich mit der Unternehmenssoftware von SAP aus und suchst zum Beispiel nach einem attraktiven Job bei SAP in Berlin, findest Du online zahlreiche Angebote.

Welche Berufe sind KI-resistent?

Menschen mit Berufen im Handwerk, in der Gastronomie, der Landwirtschaft und in der Pflege brauchen sich weniger Gedanken um ihre berufliche Zukunft zu machen, denn die KI-Exposition in diesen Jobs liegt unter fünf Prozent. Die Berufe erfordern physische Präsenz, manuelle Geschicklichkeit oder Empathieleistungen – Faktoren, die die KI nicht ersetzen kann.

KI ist gerade im Baubereich überfordert. Sie ist lediglich in der Lage, einfache wiederkehrende Aufgaben zu übernehmen. Geht es jedoch darum, defekte Leitungen in einem Altbau zu finden, dessen Verkabelung nicht bekannt ist, ist ein Bauelektriker gefragt. In diesem Beruf sind acht von zehn Stellen unbesetzt.

Siehe auch  Android oder iOS? Welches Betriebssystem passt zu mir?

Gefragt sind zudem Pflegekräfte, denn diese sind in der Lage, zu erkennen, wenn Patienten seelischen Trost oder medizinische Hilfe benötigen. Die KI kann nicht mitempfinden. Deshalb taugt sie eingeschränkt lediglich dazu, das Essen auszuteilen. Vielen Patienten fehlt jedoch auch hier die menschliche Nähe und ein freundliches Wort. Auch therapeutische Gesundheitsberufe sind nicht durch KI ersetzbar.

Junge Leute, die sich für Jobs in Bauberufen oder im Gesundheitswesen bewerben, haben gute Chancen, denn im Gesundheitswesen gibt es mehr als 46.000 unbesetzte Stellen, im Baugewerbe 41.300 (Stand 2026).

Was sollten Menschen, deren Job durch KI bedroht ist, jetzt tun?

Die arbeitende Bevölkerung in Deutschland sorgt sich um ihre berufliche Zukunft. Doch auch jugendliche Schüler fürchten sich laut der Sinus-Jugendstudie der Barmer Krankenkasse davor, dass die Künstliche Intelligenz ihre Berufswünsche zunichte macht. Bei ihnen macht sich Perspektivlosigkeit breit, denn sie merken täglich, dass sie, um zu Ergebnissen zu kommen, nicht mehr denken müssen, sondern dass sich ihre Aufgaben von der KI lösen lassen. Dadurch verstärken sich die Ängste vor einer von der Künstlichen Intelligenz dominierten Arbeitswelt.

Doch so düster sieht es (noch) nicht aus. Jugendliche und Menschen, deren Jobs durch KI bedroht sind, müssen jedoch umdenken und bereit sein, sich lebenslang weiterzubilden. Hilfreich kann es sein, sich mit der Künstlichen Intelligenz näher zu beschäftigen und diesen Fakt in der Bewerbung als Alleinstellungsmerkmal hervorzuheben. Angestellte, die ihren Job noch haben, sollten ihre Arbeitgeber über die neu erworbenen Fähigkeiten in Kenntnis setzen.

Umschülern und Neueinsteigern empfehlen sich Berufe im Handwerk oder in der Pflege. Studienberufe mit langer Ausbildungszeit lohnen sich weniger, weil die Nachfrage abnimmt und Handwerks- und Pflegeberufe mit dreijähriger Ausbildung ebenso gut bezahlt werden.

Siehe auch  KI als Job-Killer: Welche Jobs wird sie in Zukunft ersetzen?

Fazit

KI ersetzt keine Jobs, sondern einzelne Aufgaben. Deshalb ist es ratsam, sich näher mit der KI zu befassen und sie sich zunutze zu machen. In bestimmten Berufen planen die Unternehmer für die Zukunft, Mitarbeiter durch den Einsatz von Künstlicher Intelligenz teilweise zu ersetzen. Betroffen sind insbesondere Wissensberufe.

Je vertrauter die Unternehmen mit der Künstlichen Intelligenz werden und je mehr sie deren Potenzial erkennen, desto gefährdeter sind die Jobs. Bisher nutzen Unternehmer das Potenzial nicht aus, was einzelne Beispiele in der Anthropic-Studie belegen. In den Berufsfeldern IT und Mathematik wäre es möglich, 94 Prozent der Aufgaben durch KI zu ersetzen. Bisher werden lediglich 33 Prozent real genutzt. In den Bereichen Büro und Verwaltung sind neunzig Prozent möglich. Die reale Nutzung liegt bei fünfzig Prozent. Aufgaben im Management und im Finanzbereich können zu siebzig Prozent durch KI erledigt werden. Hier liegt die reale Nutzung bei vierzig Prozent.

Das bedeutet, dass sich das Risiko eines Jobverlusts mit dem verstärkten Einsatz von KI in Unternehmen erhöht. Deshalb ist es wichtig, sein Wissen in diesem Bereich zu erweitern.

Avatar-Foto

Verfasst von Redaktion