„Handwerk hat goldenen Boden“ – diese Weisheit ist über 500 Jahre alt. Sie drückt aus, dass Dir eine handwerkliche Ausbildung eine sichere und einträgliche Lebensgrundlage bietet. Dies gilt noch heute, denn das 21. Jahrhundert ist durch einen Fachkräftemangel in vielen Gewerken geprägt, sodass Du Dir mit einem Gesellenbrief eine solide Grundlage schaffst. Zudem gehören Handwerksberufe nicht zu den durch die Künstliche Intelligenz gefährdeten Berufen. Noch bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt hast Du mit einer Ausbildung zum Meister. Wählst Du diesen Schritt, solltest Du Dich umfassend informieren, denn es gibt einiges zu beachten.
Erfüllst Du die Voraussetzungen für die Ausbildung zum Meister?
Den für die Meisterausbildung erforderlichen Gesellenbrief hast Du in der Tasche und jetzt heißt es, Praxiserfahrungen zu sammeln. Praxis in Deinem Beruf ist die Voraussetzung dafür, dass Du Deinen Meisterbrief erhältst. Wie viele Jahre Du nachweisen musst, hängt von Deinem Beruf ab; mindestens aber beträgt die verlangte Berufserfahrung ein Jahr. Möchtest Du die Meisterausbildung in einem fachfremden Beruf absolvieren, benötigst Du drei bis vier Jahre Berufserfahrung. Zudem verlangen die Handwerkskammern oft den Nachweis einer bestandenen externen Gesellenprüfung.
Überdies benötigst Du die Bereitschaft, Dich fortzubilden, sowie finanzielle Mittel, Teamfähigkeit und Führungsqualitäten. Außerdem solltest Du willens sein, kundenorientiert zu arbeiten und Dich fortlaufend weiterzubilden. Eine der wichtigsten Fähigkeiten ist die Problemlösungskompetenz, denn als Meister bleibst Du bei Schwierigkeiten ruhig, Du denkst praktisch und findest auch unter Zeitdruck schnelle Lösungen.
Vollzeit oder Teilzeit: Wofür entscheidest Du Dich?
Wägst Du ab, ob Du eine Meisterausbildung beginnst oder nicht, spielt der Zeitfaktor eine Rolle. Schließlich möchtest Du Deine sichere Arbeitsstelle nicht aufgeben, denn das Leben will finanziert sein. Hast Du keine oder zu wenig Ersparnisse, um ein Jahr ohne Job zu leben? Dann brauchst Du dennoch nicht auf Deinen Traum vom Meisterbrief zu verzichten. Du kannst statt einer Vollzeitausbildung eine Teilzeitausbildung über ein Fernstudium oder in Abend- und Wochenendkursen an Bildungsinstituten absolvieren. Das bedeutet jedoch für Dich, dass Du etwas länger die Schulbank drücken musst.
Ein Vergleich: Eine Vollzeitausbildung dauert – abhängig vom Gewerk – sechs bis neun, in Einzelfällen 14 Monate. Schnellkurse absolvierst Du abhängig davon, wie theorieintensiv der Kurs ist, in vier bis sechs Monaten. Dagegen dauern Meisterausbildungen in Teilzeit durchschnittlich eineinhalb Jahre.
Welche Ausbildungsvariante besser ist, hängt von Deiner finanziellen Lage, Deinem persönlichen Umfeld und Deiner Belastbarkeit ab.
Was kommt auf Dich während der Ausbildung zu?
Die Ausbildung zum Handwerksmeister ist laut dem Berufsbildungsgesetz (BBiG) und der Handwerksordnung (HwO) eine Aufstiegsfortbildung, bei der Du mehr Verantwortung und Selbstständigkeit erlangst. Diese besteht aus vier Teilen, bei denen Du jeweils eine Prüfung ablegst.
Teil I ist der praktische Teil, Teil II besteht aus der Fachtheorie. Teil III betrifft die Betriebswirtschaft und das Recht. Teil IV beschäftigt sich mit der Berufspädagogik, denn wenn Du Deinen Meisterbrief in den Händen hältst, bist Du zur Ausbildung des Berufsnachwuchses berechtigt. Berufsbildungsexperten raten dazu, zunächst die Teile III und IV zu absolvieren, denn diese vermitteln Wissen, das für den zweiten Teil grundlegend ist.
Industrie-, Fach- oder Handwerksmeister-Ausbildung: Worin bestehen die Unterschiede?
Die Ausbildungen zum Handwerksmeister, Industriemeister und Fachmeister gehen in verschiedene Richtungen. Der Fachmeister spezialisiert sich auf die organisatorischen Aufgaben in seinem Fachbereich. Der Industriemeister erlangt weiterführende Kenntnisse in der Produktion, der Technik und der industriellen Führung. Gesellen, die sich zum Handwerksmeister fortbilden lassen, haben eine handwerkliche Führungsposition oder eine Selbstständigkeit im Sinn.
Die Fortbildung zum Industriemeister ist nach dem Berufsbildungsgesetz geregelt. Du kannst etwa eine Ausbildung zum Industriemeister Metall online absolvieren. Andere typische Fachrichtungen für einen Industriemeister sind Pharmazie, Kunststoff/Kautschuk, Chemie und Elektrotechnik. Mit dem Abschluss zum Industriemeister bist Du das Bindeglied zwischen dem Management und der Produktion und trägst Qualitäts-, Prozess- und Personalverantwortung. Deinen Einsatz findest Du als Schichtführer, als Produktionsleiter oder als Teamleiter. Beachte, dass Du mit dem Industriemeisterbrief nicht dazu berechtigt bist, Dich in meisterpflichtigen Handwerken selbstständig zu machen.
Fachmeister arbeiten im Dienstleistungs-, Lebensmittel- und Gesundheitsbereich. Typische Abschlüsse sind: Fachmeister für Bäderbetriebe, für Büro- und Projektorganisation, für Kraftverkehr, Schutz und Sicherheit oder Fachmeister für Lebensmitteltechnik. In Deiner Funktion übernimmst Du spezifische Führungsrollen oder bist für die Organisation oder die Sicherheit zuständig. Andere Arbeitsbereiche sind die Logistik und die Verwaltung und teils auch die Ausbildung.
So kannst Du Deine Ausbildung zum Meister finanzieren
Für eine Aufstiegsfortbildung zum Meister benötigst Du Geld. Damit das Vorhaben nicht an fehlenden finanziellen Mitteln scheitert, hilft in Deutschland der Staat mit dem Aufstiegs-BAföG (Meister-BAföG). Förderfähig sind alle Menschen, die eine berufliche Aufstiegsfortbildung anstreben. Dazu gehören Gesellen aller Handwerksbereiche, Facharbeiter in der Industrie und im Bau, Quereinsteiger mit Berufserfahrung sowie Berufstätige mit abgeschlossener Berufsausbildung.
Damit Du das Meister-BAföG erhältst, sollten bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein. Die Aufstiegsfortbildung muss mindestens 400 Unterrichtsstunden umfassen und auf einen öffentlich-rechtlich geregelten Abschluss hinarbeiten. Zudem sollte die Qualifikation höher sein als Deine bisherige Ausbildung. Nimmst Du an einem Vollzeitkurs teil, darf dieser nicht länger als drei Jahre dauern. In Teilzeit ist eine Dauer von bis zu vier Jahren für die Meisterausbildung erlaubt.
Gut zu wissen: Dein Einkommen und das Deines Ehepartners sind lediglich bei der Berechnung des Beitrags zum Lebensunterhalt relevant. Bei den Lehrgangs- und Prüfungsgebühren spielen sie keine Rolle.
Bestehst Du als Handwerker Deine Meisterprüfung, erhältst Du einen Erfolgsbonus, denn Dir wird die Hälfte des Darlehensanteils für Prüfungs- und Lehrgangsgebühren erlassen. Mit dem Existenzgründungsbonus werden Dir weitere fünfzig Prozent des verbleibenden Darlehens erlassen. Voraussetzung dafür ist, dass Du Dich innerhalb von drei Jahren selbstständig machst.
Einen Antrag auf Aufstiegs-BAföG stellst Du vor Beginn der Maßnahme beim Amt für Ausbildungsförderung, beim Studierendenwerk, bei der Bezirksregierung oder beim Landesverwaltungsamt. Welche Stelle zuständig ist, hängt davon ab, in welchem Bundesland Du lebst. Um die richtige Stelle herauszufinden, begib Dich auf die Website des Bundesministeriums für Bildung und Forschung.
Nicht vergessen solltest Du, die nötigen Nachweise beizulegen. Dazu gehören die Lohn- und Gehaltsabrechnungen der letzten drei Monate und die Nachweise der beruflichen Qualifikation. Letztere weist Du mit Deinem Gesellenbrief, dem Facharbeiterbrief oder dem Arbeitszeugnis nach. Zudem benötigst Du eine Bescheinigung der Bildungseinrichtung über den geplanten Meisterkurs. Zusätzlich benötigst Du von Dir und Deinem Ehepartner Vermögensnachweise. Prüfe vor dem Absenden, ob der Antrag vollständig ausgefüllt und unterschrieben ist. Er muss mindestens einen Monat vor Beginn der Maßnahme bei der zuständigen Stelle eingegangen sein.
Manche Bundesländer fördern angehende Meister mit Meistergründungsprämien und Meisterboni (Beispiel Bayern). Das Bundesministerium für Bildung und Forschung belohnt besonders erfolgreiche Gesellen mit einem Weiterbildungsstipendium.
Bildungsexperten empfehlen, sich mit Fragen zur Finanzierung an die zuständige Handwerkskammer zu wenden. Zudem hast Du die Möglichkeit, Deinen Arbeitgeber zu fragen, ob er Dich bei der Finanzierung unterstützt.
An wen kannst Du Dich wenden, wenn Du eine Meisterausbildung absolvieren möchtest?
Hast Du Dich entschlossen, eine Ausbildung zum Meister zu absolvieren, wende Dich an die Weiterbildungsberatung Deiner Handwerkskammer. Hilfreiche Informationen erhältst Du zudem auf Onlinedatenbanken und auf der Website Kursnet der Bundesagentur für Arbeit.
