Candaulismus – was ist das denn?

Candaulismus Sexpraktik mit Zuschauer | Foto: © Erika auf adobe stock

Fällt im Schlafzimmer das erste Mal der Begriff Candaulismus, herrscht schnell Verwirrung. Zunächst mag er sich nach einer philosophischen Strömung oder einem gesundheitlichen Problem anhören. Jedoch meint er eine sexuelle Praktik, die Gemeinsamkeiten mit dem Voyeurismus und dem Cuckolding aufweist. Beim Candaulismus findet ein Part der Beziehung daran Gefallen, den Sexpartner oder die Sexpartnerin beim Liebesspiel mit Dritten zu beobachten.

Was ist Candaulismus?

Hinter dem Candaulismus verbirgt sich eine sexuelle Präferenz, die bei Männern und Frauen vorkommt. Personen, denen die Sexpraktik gefällt, genießen es, sich vorzustellen, dass sich ihr Sexpartner vor Dritten entblößt.

Ebenso reizt sie die Idee, den eigenen Mann oder die Frau dabei zu beobachten, wie er oder sie sich sexuell mit anderen vergnügt. Beim soften Candaulismus reicht dieses „Kopfkino“ aus, um sexuelle Erregung zu verspüren.

Beim „richtigen“ Candaulismus geht es jedoch darum, diese Fantasie in die Tat umzusetzen. Um das eigene Verlangen zu steigern, bitten „Candaulisten“ den Beziehungspartner:

  • sich vor Dritten auszuziehen
  • sich von Dritten sexuell befriedigen zu lassen
  • mit Dritten den Geschlechtsakt zu vollziehen

Durch das Beobachten des Sexpartners beim Liebesspiel mit anderen entsteht eine Mischung aus Eifersucht, Erregung und Ohnmacht. Gleichzeitig erhöhen die optischen Reize beim Candaulismus das Vergnügen des Beobachtenden.

Welche Formen unterscheiden sich beim Candaulismus?

Die Bezeichnung Candaulismus und ihre Bedeutung gehen auf den sagenumwobenen lydischen König Kandaules zurück. Dieser empfand seine Gattin Nyssia schön und begehrenswert. Ihm gefiel die Vorstellung, dass andere Männer ebenfalls ihren nackten Körper bewundern. Daher brachte er seinen Untergebenen Gyges dazu, seine Frau beim Entkleiden zu beobachten.

König Kandaules, der seine ungewöhnliche Vorliebe schließlich mit dem Tod bezahlte, präferierte eine softe Form des Candaulismus. Bei dieser lautet das Motto: „Gucken, nicht anfassen“. Bei der extremeren Variante finden die Beobachter sexuelle Erfüllung, wenn andere Personen den Sexpartner streicheln oder sexuell befriedigen.

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Die dritte Form des Candaulismus beschränkt sich auf sexuelle Fantasien, die eine Vorführung oder das Teilen des Partners thematisieren. Der Beziehungspartner, um den sich diese Vorstellungen drehen, kann von der Vorliebe wissen – oder auch nicht.

Da Paare diese Variante nicht aktiv ausleben, handelt es sich um eine Art Fantasie-Candaulismus. Ähnlich verhält es sich, wenn ein oder beide Parts der Beziehung Candaulismus im Porno genießen, jedoch nicht selbst praktizieren möchten.

Für wen kommt die sexuelle Spielart infrage?

Die Zeiten, in denen sich eine sexuelle Beziehung auf zwei Personen beschränkt, scheinen der Vergangenheit anzugehören. Zu dieser Annahme verleitet zumindest eine Umfrage zu offenen Beziehungen. Laut dieser fanden 30 Prozent der Männer unter 30 Jahren an dem Beziehungskonzept Gefallen.

Eine offene Beziehung gesteht beiden Partnern das Recht zu, sich sexuell mit Dritten auszuleben. Der Candaulismus funktioniert nach einem ähnlichen Prinzip, obgleich gravierende Unterschiede bestehen. Bei der sexuellen Vorliebe steht das Beobachten des Sexpartners beim Liebesspiel im Mittelpunkt. Ob das heimlich oder offen geschieht, obliegt den persönlichen Präferenzen.

In beiden Fällen – bei einer offenen Beziehung und beim Candaulismus – behindert starke Eifersucht die sexuelle Freiheit. Daher eignet sich die Sexpraktik nur für Paare, die gut mit dem Eifersuchtsgefühl zurechtkommen oder es als sexuell stimulierend empfinden.

Was unterscheidet Candaulismus von ähnlichen sexuellen Präferenzen?

Neben der offenen Beziehung existieren weitere Sexpraktiken, die zumindest in Teilen dem Candaulismus ähneln.

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Voyeurismus

Ein Voyeur oder eine Voyeurin finden Gefallen daran, andere Menschen ohne deren Wissen zu beobachten. Hauptsächlich geht es darum, der jeweiligen Person unbemerkt bei intimen Handlungen zuzusehen. Die sexuelle Erregung entsteht beim Voyeurismus, wenn sich der oder die Beobachtete entkleidet, nackt streichelt oder befriedigt.

Dagegen ziehen „Candaulisten“ aus dem Wissen Lust, dass andere Personen ihren Partner anschauen oder berühren. Bei der sexuellen Praktik können jedoch Formen des Voyeurismus auftreten. Das geschieht, wenn sich ein Part der Beziehung am Anblick des Liebesspiels seines Sexpartners mit einem Dritten ergötzt, ohne dass diese davon wissen. Dabei handelt es sich um eine Mischung aus Candaulismus und Voyeurismus.

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Cuckolding

Die Bezeichnungen Cuckold und Cuckquean stammen aus dem BDSM-Bereich. Sie meinen einen Mann oder eine Frau mit der sexuellen Vorliebe, den Beziehungspartner beim Sex zu beobachten. In dieser Hinsicht gleicht das Cuckolding dem Candaulismus. Allerdings tragen bei einem Cuckold die Gefühle von Eifersucht, Ohnmacht und Demütigung verstärkt zur Erregung bei.

In der Mehrzahl der Cuckold-Beziehungen nehmen der Partner und dessen außerpartnerschaftliche Liebschaft gegenüber Cuckold oder Cuckquean die dominante Position ein. Zum Liebesspiel kann es demnach gehören, den devoten Part:

  • zu fesseln
  • zu schlagen
  • verbal und körperlich zu erniedrigen

Diese Praktiken entfallen beim reinen Beobachten. Dennoch spielt beim Candaulismus die Psychologie eine wichtige Rolle, indem Eifersucht die Erregung befeuert.

Wifesharing

Im gewissen Sinne geht es beim Candaulismus-Sex darum, den Sexpartner mit anderen Personen zu teilen. Allerdings nimmt der Beobachter nicht aktiv am Liebesspiel teil. Anders verhält es sich beim Wifesharing.

Bei dieser Spielart vergnügt sich eine Frau mit zwei oder mehr Männern gleichzeitig. Mit einem ihrer Sexpartner befindet sie sich in einer festen Partnerschaft. Die anderen sind einmalige Sexkontakte oder Affären.

Vergnügen sich beim Wifesharing zwei Männer und eine Frau miteinander, gleicht die Sexpraktik dem „flotten Dreier“. Für diesen interessiert sich laut einer Durex-Studie ein Drittel der Frauen. Im Gegensatz zu dieser Sexpraktik entfällt beim Wifesharing jedoch die Frage, ob sich ein Paar einen zusätzlichen Mann oder eine Frau ins Bett holt.

Swinging

Bei einem Swinger-Pärchen entscheiden sich Mann und Frau jeweils für Sex mit anderen Personen. Die Vorstellung, den Sexpartner oder die Sexpartnerin mit Dritten zu teilen, steigert dabei die sexuelle Erregung.

Im Gegensatz zum Candaulismus übernehmen beim Swinging jedoch beide Beziehungspartner eine aktive Rolle bei den sexuellen Spielen. Zudem setzt Swinging nicht voraus, dass sich Mann und Frau voreinander mit Dritten vergnügen. Dadurch entfällt der Reiz des Beobachtens.

Jedoch erlaubt es das Swingen, viele weitere sexuelle Praktiken zu integrieren, darunter ein Gangbang.

Fazit

Bevor die Sexpraktik Candaulismus in einer Beziehung Einzug hält, sollten sich beide Partner Wissen rund um das Thema aneignen. Das verhindert, dass sich einer von ihnen von den sexuellen Vorlieben des anderen überrumpelt fühlt. Entscheidet sich ein Paar einvernehmlich, das Liebesleben mit der Sexpraktik aufzupeppen, kann diese die Beziehung bereichern.