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Alemannische Fastnacht – farbenfrohe Faszination

Alemannische Fastnacht | Foto: LaMantarraya; adobe stock

Die alemannische Fastnacht unterscheidet sich stark vom typischen Karneval, der alljährlich in Köln und anderen Faschingshochburgen stattfindet. Die mundartlich genannte „Fasnet“ gehört zu den traditionsreichen Festen im Südwesten Deutschlands, bei denen die Mitstreiter mit ihren fantasievollen, farbenfrohen Kostümierungen begeistern. Das Brauchtum ist ein wichtiger Teil der kulturellen Identität der Region. Daher steht es auf der Liste des immateriellen Kulturerbes der UNESCO.

Die Ursprünge der alemannischen Fastnacht

Möchtest du wissen, was es mit der alemannischen Fastnacht auf sich hat? Viele „Narren“ im Südwesten Deutschlands glauben, dass die sogenannte „schwäbisch-alemannische Fasnet“ heidnische Wurzeln hat, die weit bis vor Christus zurückreichen. Laut ihrer Ansicht dienen die Feierlichkeiten und das damit einhergehende lärmende Treiben dazu, den Winter zu vertreiben und den Frühling willkommen zu heißen.

Doch weit gefehlt. Tatsächlich handelt es sich bei der Alemannischen Fastnacht um ein christliches Fest. Es ist laut Historikern eng verbunden mit der sich daran anschließenden Fastenzeit, die auf Ostern vorbereitet. Im Christentum beginnt diese am Aschermittwoch und endet nach 40 Tagen am Karsamstag.

Das Wort „Fasnacht“ impliziert bereits, dass die alemannische Fastnacht in einen Zeitraum fällt, der vor der Fastenzeit liegt. Sie dauert traditionell sechs Tage und beginnt am sogenannten fetten (schmutzigen) Donnerstag. Die Fastnacht endet am Aschermittwoch.

Was der Karneval und die alemannische Fastnacht verbindet

Der Karneval und die alemannische Fastnacht haben den gleichen Ursprung. Beides sind christliche Bräuche, die die Fastenzeit zur Vorbereitung auf das Osterfest einläuten. Deutlich wird der Bezug zur Fastenzeit an dem Begriff „Karneval“ selbst. Ursprünglich geht dieser auf das italienische Wort „carnevale“ zurück, eine Kurzform von „carnislevamen“ aus dem Kirchenlatein. Übersetzt bedeutet der Begriff „Wegnahme des Fleisches“. Der Verzicht auf fleischliche Speisen in der Vorosterzeit gehörte früher fest zum Glauben der Christen.

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Das Mittelalter: die Hochzeit der schwäbisch-alemannischen Fastnacht

Im Mittelalter ging es während der Alemannischen Fastnacht hoch her. An den Tagen vor dem Beginn der Fastenzeit war es Brauch, sich zu betrinken, ausgiebig zu schlemmen und sich in farbenfrohen Kostümierungen dem wilden Treiben hinzugeben.

Die konsequente Missachtung der Enthaltsamkeit war der Kirche ein Dorn im Auge. Sie sah die Fasnacht als teuflisch an und verurteilte den Brauch, denn an einem Ort, an dem die Narren regieren, kann es ihrer Meinung nach keinen Gott geben.

Die Feiernden sahen die Verurteilung ihres geliebten Festes als Anreiz dafür, sich als Narren und Teufel zu verkleiden. Der Narr ist bis heute die zentrale Figur in der Fastnacht. Weitaus älter ist die Teufelsfigur, die ebenso wie die Tiergestalt „Butzesel“ die Abwendung von Gott und die Sündhaftigkeit impliziert.

Bei der alemannischen Fastnacht „die Sau rauslassen“

Die Metzger hatten während der Alemannischen Fastnacht einen guten Grund zu feiern, schließlich waren sie bis zum Osterfest „beschäftigungslos“. In Nürnberg führten die Fleischer seit dem 15. Jahrhundert alljährlich den Metzgertanz auf.

Doch nicht nur die Schlachter waren von der Fastenzeit betroffen. 40 Tage ohne Fleisch und andere tierische Produkte waren für die meisten Menschen ein hartes Los. Damit die Vorräte in der Zeit nicht verdarben, war es notwendig, die Lebensmittel aufzubrauchen. In der Folge entstanden die ausschweifenden Ess- und Trinkgelage. Die in Schmalz gebackenen Fastnachtsküchlein (auch bekannt als Berliner, Kräppel oder Krapfen) sind ein Überbleibsel dieser Zeit. Das Gebäck gehört noch heute zu den besonderen Leckereien der Alemannischen Fastnacht.

Das vorläufige Ende der alemannischen Fastnacht

Im Zuge der Reformation entfiel das Fasten und damit auch der Karneval. Die protestantischen Christen erhielten ihren Brauch noch bis zum 17. Jahrhundert. In Nürnberg und in den evangelischen Städten galt jedoch ein striktes Verbot. Ihren Niedergang erlebte die Fastnacht während der Aufklärung. Die Aufklärer sahen den Brauch als unsittlich an. Um 1809 verboten sie den Karneval, da die ausschweifenden Feierlichkeiten ihrer Meinung nach die öffentliche Ordnung und Ruhe störten.

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Die Wiedergeburt des Karnevals

Im Zuge der Romantik stieg das Bewusstsein für die Natur, die Geschichte und die alten Bräuche. Doch statt der Handwerker holte das gehobene Bürgertum den Karneval zurück ins Leben. Der erste Rosenmontagsumzug fand 1823 in Köln statt. Fortan feierten die Bürger nicht mehr in den Lokalen und auf der Straße, sondern „gesittet“ auf Bällen und geordneten Fastnachtsumzügen. Es entstanden neue Figuren wie der „Prinz Karneval“. Um 1840 erreichten sie auch den Südwesten Deutschlands. Die alten Bräuche und die besonderen Figuren traten zunehmend in den Hintergrund.

Was den Karneval von der alemannischen Fastnacht unterscheidet

Von den Feierlichkeiten des Bürgertums ausgeschlossen, regte sich bei den einfachen Leuten und Handwerkern im südwestdeutschen Raum Unmut. Im 19. und 20. Jahrhundert besannen sie sich zurück auf die alten Traditionen und zogen verkleidet mit Masken und Narrenkleidern auf die Straße. Angetan von der ursprünglichen Fest- und Umzugstradition wendete sich auch das gehobene Bürgertum vom modernen Karneval ab. Schon bald entstanden neue Narrenzünfte in vielen Städten, in denen die Narren eigene Traditionen und Figuren schufen.

Die Popularität der alemannischen Fastnacht ist ungebrochen

In den vergangenen Jahren stieg die Popularität der alemannischen Fastnacht. Mittlerweile gibt es mehr als 1.700 Narrenzünfte, in denen Gleichgesinnte ihrem Hobby nachgehen. Davon entstanden etwa 1.000 in den 90ern. Das liegt vor allem an der wachsenden Bekanntheit durch die im Fernsehen übertragenen Narrentreffen.

Verbreitet ist die Lust am Verkleiden in den Gemeinden in Baden-Württemberg und weiten Teilen der deutschsprachigen Schweiz. Die Feierlichkeiten rund um die Alemannische Fastnacht ziehen Besucher aus aller Welt an. Zu den Hochburgen in Deutschland gehören:

  • Buchen
  • Sigmaringen
  • Schömberg
  • Rottweil
  • Schramberg
  • Elzach
  • Bad Waldsee
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Jeder Ort hat seine eigenen Traditionen. So auch Esslingen in der Nähe von Stuttgart, deren Karnevalsfreunde mit dem Narrenruf „Halli Galli“ zu einem vielfältigen Programm mit Schautanz einladen. Ein Gelbes Haus in Esslingen dient als Stadtmuseum, das über die Geschichte des Ortes aufklärt.

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Wer sind die Alamannen?

Im Frühmittelalter war Alamannien das Herrschafts- und Siedlungsgebiet der Alamannen. Es umfasst das Gebiet der Alemannischen Dialekte, die Menschen in sieben europäischen Staaten sprechen, darunter:

  • Frankreich (Elsass)
  • Liechtenstein
  • Italien (Aosta, Piemont)
  • Schweiz (Deutschschweiz)
  • Österreich (Tirol, Vorarlberg)

Ein großer alamannischer Stamm in Deutschland sind die Schwaben aus Bayern. Aber auch die südlichen zwei Drittel von Baden-Württemberg gehören dazu.

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Verfasst von Hajo Simons