Warum stehen Wespen unter Naturschutz? Diese Frage mag sich jeder stellen, der sich wieder einmal von den schwarz-gelben Tieren genervt fühlt. Sie tauchen in Scharen auf, und wenn Du eine verscheuchst, sind geschätzt zehn andere Exemplare da, die sich rächen. Es ist schwer zu glauben, dass diese Insekten zu den bedrohten Tierarten gehören, weil ihre Bestände sinken. In diesem Artikel liest Du, warum sie schützenswert sind und was Dir droht, wenn Du sie tötest oder ihren Lebensraum zerstörst.
Was bedeutet Naturschutz bei Wespen?
Wespen gehören zu den Nützlingen, auch wenn sie als Lästlinge oder gar Schädlinge wahrgenommen werden. Die Insekten nehmen eine wichtige Rolle im Ökosystem ein. Doch Wespenpopulationen sind bedroht: durch Pestizide, durch den Verlust ihres Lebensraumes und durch den Klimawandel. Das ist fatal für die Natur, denn wenn es weniger Wespen gibt, ist das Ökosystem in Gefahr. Dies hat negative Folgen für Pflanzen und andere Tiere und damit auch für den Menschen. Deshalb solltest Du alles daran setzen, die Wespen und damit die Natur zu schützen.
Die Wespen sind auf die Mitarbeit jedes Einzelnen angewiesen, damit ihre Art erhalten bleibt. Dies beginnt mit der Aufklärung darüber, wie wichtig die Wespen für das Gleichgewicht in der Natur sind und warum sie vom Gesetz in Deutschland geschützt werden. Unterstützen kannst Du sie, indem Du ihnen Nistplätze in Deinem Garten schaffst.
Dazu bündelst Du hohle Stängel und Zweige von Holunder oder Schilf und hängst oder stellst diese in Deinem Garten in weiter Entfernung zu Deiner Terrasse auf. Der Platz sollte windgeschützt und sonnig sein. Weitere Nisthilfen schaffst Du mit Hartholzklötzen oder Baumscheiben, in die Du Löcher mit verschiedenen Durchmessern bohrst.
Außerdem schaffst Du mit offenen Sandflächen neuen Lebensraum für Wespen. Wichtig ist zudem, dass Du in Deinem Garten blütenreiche und damit nektarreiche Lebensräume schaffst. Diese Lebensräume darfst Du nicht mit Insekten- und Unkrautvernichtungsmitteln wieder vernichten.
Hältst Du Dich in der Natur auf, achte darauf, die Lebensräume der Wespen zu bewahren. Dies sind all die Orte, wo Wespen nisten und Nahrung finden – beispielsweise auf Wiesen, in Hecken und in Wäldern.
Welche Wespenarten stehen unter Schutz?
Sämtliche in Deutschland lebenden Wespenarten stehen unter dem allgemeinen Naturschutz. Nach der Bundesartenschutzverordnung stehen die Kreiselwespen und die Hornisse unter besonderem Schutz.
Welche Rollen spielen Wespen im Ökosystem
Wespen leisten einen wertvollen Beitrag zum Erhalt des Gleichgewichts der Ökosysteme. Zunächst dienen Wespen als Nahrung für Reptilien wie Eidechsen und Schlangen sowie für Amphibien wie Frösche und Molche. Zudem gehören Libellen, Ameisen, Raubfliegen, Hornissen und Spinnen zu den natürlichen Feinden der Wespen. Von den Säugetieren fressen Dachse, Fledermäuse, Igel und Füchse die gelb-schwarz gestreiften Tiere. Bei den Vögeln sind es die Bienenfresser, die Fliegenschnäpper, Raben und Krähen sowie die Spechte und Meisen, die Wespen zu ihrer Nahrung zählen. Auch Enten und Gänse fressen Wespen, die ins Wasser gefallen sind. Diese natürlichen Fressfeinde helfen, die Wespen-Populationen im Gleichgewicht zu halten.
Zudem sind einige Wespenarten wie die Gall- und Legewespen, die Faltenwespen und die Feldwespen, Aasfresser. Zu ihnen gehören auch die Deutsche Wespe und die Gemeine Wespe. Mit dem Fressen von Aas unterstützen sie den Abbau von toten Insekten und kleinen Tieren. Zusätzlich transferieren sie Nährstoffe in ihre Larven. Damit helfen sie, das Ökosystem sauber zu halten.
Bestäubung und Schädlingsbekämpfung durch Wespen
Eine wichtige Rolle im Ökosystem spielen Wespen bei der Bestäubung von Pflanzen. Sie sammeln die Pollen nicht wie die Bienen mit Haaren auf, denn sie besitzen keine. Vielmehr geschieht die Bestäubung zufällig. Sie bewegen sich bei der Suche nach Nektar von Blüte zu Blüte und tragen die Pollen unbeabsichtigt weiter. Dadurch leisten Wespen ihren Beitrag zur Vermehrung und zum Überleben der Blütenpflanzen.
Die wertvollste Rolle nehmen Wespen jedoch im Ökosystem ein, indem sie Schädlinge auf natürliche Weise bekämpfen. Sie jagen und parasitieren Insekten und andere wirbellose Schädlinge. Dadurch tragen sie dazu bei, Schädlinge unter Kontrolle zu halten. Durch die natürliche Vernichtung benötigen etwa Landwirte weniger Pestizide zum Vernichten von Raupen, Blattläusen und Fliegen. Außerdem reicht die bloße Anwesenheit von Wespen aus, dass andere Insekten es vermeiden, in deren Bereich Eier zu legen.
Gesetzliche Grundlagen zum Schutz von Wespen
Der Schutz von Wespen und Hornissen ist im Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG) nachzulesen. Der Paragraf 39 BNatSchG regelt den allgemeinen Schutz von Tier- und Pflanzenarten. Er untersagt es, wild lebende Tiere wie die Wespen mutwillig zu stören. Ferner dürfen sie nicht ohne vernünftigen Grund gefangen werden. Ebenso sind ihre Nester geschützt. Auch diese dürfen nicht zerstört oder verwüstet werden.
Der Paragraf 44 BNatSchG verbietet noch einmal deutlich, Wespen zu fangen, zu verletzen oder zu töten. Er schützt zudem die Entwicklungsformen der Wespen.
Der Paragraf 67 des Bundesnaturschutzgesetzes regelt die Ausnahmen – wörtlich die „Befreiungen“ von den zuvor genannten Verboten. Die trifft zu, wenn die Wespen eine konkrete Gefahr darstellen.
Welche Strafen drohen bei Verstößen?
Nützlich zu wissen: Verstößt Du gegen diese Paragrafen, behandeln die Länder dies als Ordnungswidrigkeit. Dir droht ein Bußgeld, welches abhängig von der Schwere des Zuwiderhandelns und abhängig vom Bundesland 5.000 bis 65.000 EUR betragen kann.
Wann darf ein Wespennest entfernt werden?
Möchtest Du ein Wespennest entfernen oder entfernen lassen, benötigst Du dazu eine behördliche Genehmigung. Ohne diese machst Du Dich strafbar. Diese Genehmigung erhältst Du, wenn eine unmittelbare Gefahr für Leib und Leben besteht. Die ist bei schweren Allergien, kleinen Kindern und bei einem hohen Unfallrisiko gegeben.
Befindet sich ein Nest an bebauten Objekten wie dem Haus, am Fenster oder auf Balkonen, ist eine regelmäßige Konfrontation mit den Wespen sowie eine beeinträchtigte Nutzung des Objektes zu erwarten.
Nester in Schulen und Kindergärten werden von der Behörde genehmigt, weil eine besondere Schutzverantwortung für die Kinder besteht. Auch für Nester an Arbeitsplätzen mit Publikumsverkehr wird eine Genehmigung erteilt, da ein Sicherheitsrisiko für viele Menschen besteht.
Benötigst Du eine Genehmigung zum Entfernen eines Wespennestes, wendest Du Dich an die Gemeinde- oder Stadtverwaltung. Ersatzweise sind die Untere Naturschutzbehörde des Landkreises, das Ordnungsamt oder das Gesundheitsamt zuständig.
Die Behörden verlangen den Nachweis über eine konkrete Gefährdung oder einen Beleg, dass eine regelmäßige Beeinträchtigung bei der Nutzung des Grundstücks besteht. Zudem musst Du darlegen, warum andere Maßnahmen nicht ausreichen. Um Dich vor den Wespen zu schützen, ist es sinnvoll, einen Insektenschutz anzubringen, Abstand zu halten oder die Fenster zu schließen.
Geht es um die Gemeine Wespe oder um die Deutsche Wespe, erhältst Du die Genehmigung eher, wenn diese aggressiv sind und Dich oder andere mehrfach gestochen haben oder wenn sich eine allergische Person in Deinem Haushalt befindet. Bei Hornissennestern hast Du es schwerer. Zu deren Beseitigung musst Du eine schwere Allergie und eine unmittelbare Lebensgefahr nachweisen. Zudem kann die Genehmigung bei öffentlichem Interesse erteilt werden, beispielsweise wenn sich Schüler in Gefahr befinden.
