Ein Wespennest auf dem Dachboden ist nicht ungewöhnlich, denn dort sind die Insekten vor Nässe und vor Fressfeinden geschützt. Solltest Du mit dem Gedanken spielen, dieses selbst zu entfernen – lass es sein. Du machst Dich damit strafbar, denn viele Wespenarten sind geschützt. Zudem können Wespenstiche gefährlich sein. Überlasse es Fachleuten, zu beurteilen, ob die Wespen getötet werden dürfen oder das Nest umgesiedelt werden kann.
Wespennest auf dem Dachboden erkennen
Vermutest Du ein Wespennest auf dem Dachboden, halte Ausschau nach Gebilden, die auf den ersten Blick einer zerknüllten Zeitung von grauer bis brauner Farbe ähneln. Hornissennester und die der Gemeinen Wespe sind beige. Wespennester erreichen oft die Größe eines Fußballs. Abhängig vom Entwicklungsstadium fallen sie kleiner aus.
Typisch für Wespennester ist das papierartige Material. Dieses stellen die Wespen selbst her, indem sie Totholz mit ihrem starken Kiefer abschälen und mit ihrem Speichel vermischen. Aus dieser Masse formen die Wespen ihr Nest. Dabei lassen sie eine Öffnung frei, die als Ein- und Ausgang dient.
Schreitet der Bau des Nestes voran, kannst Du beobachten, dass die Wespen immer aus einer Richtung kommen oder dorthin fliegen. Dann jedoch halte Dich von ihnen fern und suche Rat bei Fachleuten wie Imkern, Schädlingsbekämpfern oder Feuerwehrleuten.
Um gefährliche Situationen zu vermeiden, empfiehlt es sich, den Dachboden in kurzen Abständen zu untersuchen. Mögliche Einfluglöcher und Ritzen verschließe schnellstmöglich, um den Wespen den Einzug auf den Dachboden zu verwehren.
Ob diese bereits auf Ihrem Dachboden einen trockenen und warmen Platz gefunden haben, erkennst Du an einem leisen Summen oder Brummen, das sich, je weiter Du Dich dem Nest näherst, verstärkt. Zudem weisen kleine schwarze Flecken von Kot auf einen Wespenbefall hin.
Eine Wespenart, die typischerweise auf dem Dachboden zu finden ist, ist die Deutsche Wespe (Vespula germanica). Ihre Nester sind grau, hängen frei und beherbergen dreitausend bis viertausend Tiere. Findest Du ein beiges bis hellbraunes Nest vor, könnte es mit Gemeinen Wespen (Vespula vulgaris) bevölkert sein. Ihre Siedlungen umfassen bis zu zehntausend Tiere.
Warum ein Wespennest auf dem Dachboden gefährlich sein kann
Findest Du ein Wespennest im Rollladenkasten oder auf dem Dachboden vor, handle überlegt. Durch ihre Bauaktivitäten verursachen Wespen Schäden am Gebäude. Sie fressen sich durch Dämmmaterialien und erzeugen dadurch Kältebrücken. Die Folge sind erhöhte Heizkosten, Geräusche in der Wand und ein ungünstiges Innenklima.
Tragen Wespen zum Nestbau Holzfasern von Dachbalken und tragenden Holzstrukturen ab, gefährdet dies die Beständigkeit der Holzkonstruktion. Zudem sind Wespen in der Lage, Dachziegel zu verschieben und dadurch das Risiko von Wasserschäden zu erhöhen. Nagen die Wespen an Kabeln, erhöht sich dadurch die Feuergefahr.
Die regelmäßige Überprüfung, ob sich ein Wespennest auf dem Dachboden befindet, solltest Du einer anderen Person übertragen, wenn Du allergisch auf Wespenstiche reagierst. Ein einziger Stich kann für Dich tödlich enden. Gefährdet sind zudem Kinder und Haustiere, auch wenn keine Allergie besteht. Zudem reagieren Menschen – abhängig davon, wie empfindlich sie sind – mit Quaddelbildung. Bei Stichen im Mund besteht Erstickungsgefahr. Damit die Schleimhäute weniger stark anschwellen, solltest Du bis zum Eintreffen des Notarztes Eiswürfel lutschen.
Darf man ein Wespennest selbst entfernen?
Ein Wespennest darfst Du nicht ohne Not entfernen. Legst Du dennoch selbst Hand an, rechne mit einem hohen Bußgeld. Abhängig vom Bundesland kostet Dich das Entfernen bis zu 50.000 EUR.
Eine Ausnahme bildet ein unbewohntes Wespennest. Dieses findest Du in den Wintermonaten vor, denn Wespen sterben nach einem Jahr. Doch es gibt einen bedeutenden Grund, das Nest zu erhalten. Es kann Dich im nächsten Jahr davor bewahren, dass sich erneut Wespen auf Deinem Dachboden ansiedeln. Wespenvölker halten Abstand zueinander. Bemerken sie ein bestehendes Nest, suchen sie sich zum Nisten einen anderen Ort. Ersatzweise kannst Du ein künstliches Wespennest zur Abschreckung aufhängen.
Gesetzlicher Schutz von Wespen und Hornissen
Wespen übernehmen in der Natur wichtige Aufgaben. Sie bestäuben Pflanzen und verhindern, dass sich andere Insektenarten wie Fliegen und Spinnen zu stark ausbreiten. Deshalb sind Wespen und Hornissen – wie alle wild lebenden Tiere – durch den Paragrafen 39 Absatz 1 Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG) geschützt. Ihre Lebensstätten dürfen nicht ohne vernünftigen Grund beeinträchtigt oder zerstört werden. Zudem ist es untersagt, sie ohne vernünftigen Grund zu beunruhigen, zu fangen, zu verletzen oder zu töten.
Die Bundesartenschutzverordnung (BArtSchV, Anlage 1) schützt darüber hinaus manche Wespenarten besonders. Dazu gehören die Hornisse (Vespa crabro), die Kreiselwespen und die Knopfhornwespen.
Erste Maßnahmen bei einem Wespennest auf dem Dachboden
Hast Du ein Wespennest auf dem Dachboden Deines Hauses gesichtet, schließe die Tür und ziehe langärmelige Kleidung und Handschuhe an. Den Kopf schützt Du mit einer Schutzbrille und einem Hut.
Nachdem Du den Dachboden wieder betreten hast, schließt Du wiederum die Tür – und damit die Wespen keine Möglichkeit haben, hinein- oder hinauszukommen, auch die Fenster. Danach untersuchst Du den Dachboden auf sichtbare Spalten. Diese deckst Du vorübergehend mit Klebeband oder mit Stoff ab.
Nachdem Du das Nest entdeckt hast, solltest Du zum Schutz des Gebäudes und seiner Bewohner sofort die Feuerwehr, einen Imker oder einen Schädlingsbekämpfer informieren. Wohnst Du zur Miete, ist der Vermieter Dein erster Ansprechpartner.
Wann sollte ein Schädlingsbekämpfer gerufen werden?
Ein Schädlingsbekämpfer sollte gerufen werden, wenn sich ein Kindergarten oder ein Altenheim in der Nähe des Hauses befindet. Eine hohe Priorität hat dies, wenn Du selbst, andere Bewohner des Hauses oder Nachbarn allergisch auf Wespenstiche reagieren. Der Schädlingsbekämpfer weiß, was bei einem Befall zu tun ist.
Er begutachtet das Nest, bestimmt die Wespenart und schätzt die Gefahrenlage ein. Zudem entscheidet er, ob das Wespennest umgesiedelt wird oder die Insekten getötet werden.
Bevor das Nest entfernt oder vernichtet werden darf, musst Du einen Antrag mit Begründung bei der Stadtverwaltung oder dem Landratsamt stellen. Manche Schädlingsbekämpfer übernehmen diese Aufgabe für Dich.
Kosten für die Entfernung eines Wespennests
Wie teuer es ist, ein Wespennest zu entfernen, hängt von dessen Zugänglichkeit und der Art der Beseitigung ab. Die Verbraucherzentrale veranschlagt Kosten in Höhe von 150 bis 250 EUR. Eine professionelle Umsiedlung ist mit tausend Euro und mehr ungleich teurer.
Umsiedlung statt Entfernung: Wann ist das möglich?
Eine Umsiedlung des Wespennests ist möglich, wenn vernünftige Gründe dafür vorliegen. Die Erlaubnis dazu erhältst Du von der Stadtverwaltung oder dem Landratsamt. Ein vernünftiger Grund liegt vor, wenn Allergiker im Haushalt leben, eine Gefahr für Kinder oder Haustiere besteht und wenn das Nest direkt am Wohnbereich ist.
Der beste Zeitraum für eine Umsiedlung sind die Monate Mai bis Juli. In dieser Zeitspanne ist das Wespenvolk noch klein und die Waben sind überschaubar. In den Monaten August und September ergibt eine Umsiedlung wenig Sinn, denn die Überlebenschancen der Wespen und Hornissen sinken, weil das Nest für eine Umsiedlung zu groß ist. Im späten Herbst ist die Arbeit sinnlos, denn die Wespen sterben in diesem Zeitraum.
Die besten Umsiedlungszeiträume unterscheiden sich jedoch abhängig von der Wespenart.
Wespennest auf dem Dachboden vorbeugen
Auf dem Dachboden beugst Du Wespennestern zuverlässig vor, indem Du ihnen keine Möglichkeit bietest, in das Gebäude zu gelangen. Dazu prüfe die Dachziegel und tausche sie bei Defekten aus. Lüftungsöffnungen verschließe mit einem feinmaschigen Gitter. Zum Abdichten von Ritzen und Spalten eignen sich Dichtband, Bauschaum und Silikon.
An Dachfenstern schützt ein Insektenschutzgitter vor dem Eindringen von Wespen. Die Insekten befinden sich stets auf Nahrungssuche. Deshalb vermeide es, offen Lebensmittel oder Müll auf dem Dachboden zu lagern. Zudem ist es ratsam, Holzreste und Kartons zu entfernen, da Wespen dieses Material zum Nestbau nutzen.
Deine Maßnahmen kannst Du mit Duftstoffen unterstützen. Nelken, Minze, Zitrone und Lavendel schrecken Wespen ab. Um sicherzugehen, dass Deine Maßnahmen erfolgreich waren, empfiehlt es sich, den Dachboden regelmäßig auf Wespennester zu kontrollieren.
Fazit
Ein Wespennest auf dem Dachboden ist eine Gefahr für das Gebäude und für darin lebende Menschen und Tiere. Deshalb empfiehlt es sich, regelmäßig nach potenziellen Nestern Ausschau zu halten und vorbeugend alle Ritzen, Spalten und Zugänge zu verschließen. Dies gilt auch für Fenster und Türen.
Ist ein Wespennest vorhanden, sind Wespenexperten Deine Ansprechpartner. Das können Imker, Schädlingsbekämpfer oder Feuerwehrleute sein. Beachte, dass Wespen und Hornissen unter Natur- und Artenschutz stehen. Es ist vom Gesetz her verboten, die Tiere zu stören oder zu töten.
