Bei kaum einem anderen Produkt ist die Auswahl so persönlich wie bei Dingen, die direkt am Körper verwendet werden. Was für eine Person angenehm ist, kann für die nächste völlig uninteressant sein.
Trotzdem ähneln sich viele Kaufentscheidungen: Man schaut auf Funktionen, vergleicht Größen, liest Bewertungen und merkt irgendwann, dass die eigentliche Frage noch gar nicht beantwortet ist. Was soll das Produkt überhaupt können? Genau da lohnt es sich, anzufangen. Nicht bei der Anzahl der Programme und auch nicht beim bekanntesten Modell.
Weniger Funktionen können völlig ausreichen
Wer zum ersten Mal nach einem Sextoy sucht, landet schnell in einer erstaunlich großen Auswahl. Vibratoren, Druckwellengeräte, Ringe, Modelle für Paare, Produkte mit App-Steuerung, Geräte mit mehreren Motoren. Technisch lässt sich inzwischen einiges kombinieren. Das bedeutet allerdings nicht, dass möglichst viel Ausstattung automatisch sinnvoll ist.
Für manche Menschen reicht ein Produkt mit wenigen Intensitätsstufen vollkommen aus. Andere möchten genauer einstellen können, wie sich die Stimulation anfühlt. Wieder andere achten stärker auf Größe, Lautstärke oder darauf, dass sich das Toy unkompliziert verstauen lässt.
Ein Blick in unterschiedliche Kategorien von Sexspielzeug kann deshalb zunächst helfen, überhaupt ein Gefühl dafür zu bekommen, welche Bauformen und Anwendungen es gibt. Danach lässt sich die Auswahl meist schneller eingrenzen.
Interessant ist dabei oft weniger die Produktbeschreibung als die Vorstellung vom späteren Alltag. Wird das Toy allein genutzt oder gemeinsam? Muss es besonders leise sein? Soll es mit auf Reisen? Wird eine möglichst einfache Bedienung bevorzugt? Solche Fragen klingen unspektakulär, sind beim Kauf aber häufig hilfreicher als eine lange Funktionsliste.
Material fällt meist erst auf, wenn etwas stört
Bei Kleidung schaut man selbstverständlich auf Stoff und Verarbeitung. Bei Intimprodukten wird das Material dagegen erstaunlich oft erst nachträglich beachtet. Dabei beeinflusst es das Gefühl bei der Nutzung erheblich.
Silikon kann sich weich und flexibel anfühlen, andere Kunststoffe deutlich fester. Metall oder Glas sind nochmals ganz anders in Gewicht und Oberfläche. Eine allgemeingültige Empfehlung gibt es hier nicht. Persönliche Vorlieben spielen eine große Rolle. Wichtiger ist, dass klar erkennbar ist, aus welchem Material ein Produkt besteht und wie es gepflegt werden soll.
Die Reinigung sollte sich immer nach den Angaben des Herstellers richten. Nicht jedes elektrische Produkt darf vollständig unter Wasser gehalten werden, nur weil es auf den ersten Blick geschlossen wirkt. Auch bei Reinigungsmitteln gilt: Mehr ist nicht automatisch besser.
Wer Gleitmittel verwendet, sollte ebenfalls kurz prüfen, ob es für das jeweilige Material geeignet ist. Manche Kombinationen können Oberflächen auf Dauer beeinträchtigen. Das sind Details, über die beim Kauf kaum jemand lange nachdenken möchte. Später machen sie jedoch einen großen Unterschied.
Beim Penisring ist Komfort wichtiger als Ehrgeiz
Bei einem Penisring kommt ein weiterer Punkt hinzu: die Passform. Das Produkt wird körpernah getragen und sollte deshalb nicht nach dem Motto ausgewählt werden, möglichst eng müsse automatisch besser sein. Das Gegenteil kann der Fall sein. Ein Ring darf spürbar sitzen, sollte aber keine Schmerzen verursachen. Taubheitsgefühle, deutlich veränderte Hautfarbe oder ein unangenehmes Druckgefühl sind Signale, das Produkt sofort zu entfernen.
Für Einsteiger können flexible Modelle einfacher sein, weil sie sich leichter anlegen und wieder abnehmen lassen. Starre Varianten verhalten sich anders und verlangen eine passendere Größenwahl.
Auch die empfohlene Nutzungsdauer ist kein unwichtiges Kleingedrucktes. Sie gehört zur Anwendung dazu. Wer bekannte Probleme mit der Durchblutung hat oder bei der Nutzung unsicher ist, sollte lieber medizinischen Rat einholen, statt einfach auszuprobieren.
Gemeinsam benutzen heißt nicht automatisch gemeinsam mögen
In Beziehungen entsteht manchmal die Vorstellung, ein neues Toy müsse für beide gleichermaßen interessant sein. Das ist nicht zwingend so. die eine Person kann neugierig sein, die andere eher zurückhaltend. Manchmal verändert sich die Einschätzung nach dem ersten Ausprobieren, manchmal nicht. Deshalb hilft ein Gespräch vorher mehr als jede perfekte Produktauswahl.
Was soll ausprobiert werden? Was fühlt sich unangenehm an? Gibt es etwas, das ausdrücklich nicht gewünscht ist? Das muss kein großes Gespräch mit festem Ablauf sein. Ein paar klare Sätze reichen oft.
Praktisch ist außerdem, die Bedienung bereits vorher anzusehen. Während einer intimen Situation erst herauszufinden, welche Taste welches Programm startet, nimmt eher Tempo heraus, als dass es etwas verbessert. Mit einer niedrigen Intensität zu beginnen, ist ebenfalls keine schlechte Idee. Hochstellen kann man später immer noch.
Pflege beginnt nach der Nutzung
Nach der Anwendung wird das Toy entsprechend der Herstellerangaben gereinigt und anschließend vollständig getrocknet. Das klingt banal, wird aber leicht aufgeschoben. Gerade bei Produkten mit Rillen, Übergängen oder Ladeanschlüssen sollte darauf geachtet werden, dass keine Feuchtigkeit eingeschlossen bleibt.
Auch die Aufbewahrung verdient ein wenig Aufmerksamkeit. Ein sauberer, trockener Platz reicht meistens aus. Es muss kein kompliziertes System sein. Hin und wieder lohnt sich außerdem ein kurzer Blick auf die Oberfläche. Kleine Risse, poröse Stellen oder beschädigte elektrische Komponenten sind Gründe, ein Produkt nicht einfach weiterzuverwenden.
Bei Geräten mit Akku schadet es ebenfalls nicht, sie gelegentlich zu laden. Produkte, die monatelang ungenutzt in einer Schublade liegen, funktionieren sonst ausgerechnet dann nicht, wenn man sie verwenden möchte.
Am Ende entscheidet nicht die Technik
Die Auswahl eines Intimprodukts muss keine Wissenschaft sein. Wer weiß, welche Art von Anwendung überhaupt interessant ist, kann einen großen Teil des Angebots direkt ausschließen. Danach zählen Dinge wie Material, Bedienung, Größe und Pflege.
Bei körpernah getragenen Produkten kommt die passende Größe hinzu. Bei gemeinsamen Anwendungen spielt die Kommunikation eine mindestens ebenso große Rolle wie das eigentliche Toy. Der Rest ist persönliche Vorliebe.
Vielleicht ist genau das der angenehmste Blick auf das Thema. Es gibt kein Modell, das für jeden passen muss, und auch keinen Grund, Funktionen zu wählen, die man gar nicht benötigt. Ein gutes Produkt ist am Ende schlicht eines, das sich unkompliziert verwenden lässt und zum eigenen Körper und Alltag passt.
